Felix Corner

05.06.2012 - 17:12 Uhr

E3

Die Messe der Einheitsbrei Gewaltspiele

Ach ja, die E3. Die Messe aller Messen für Nerds. Neue Spiele en Masse. Endlich Gameplay Szenen! Doch was muss ich da sehen? Alles sieht gleich aus. Und ist unnötig brutal. Und die Amis lieben es. 

Nach den ersten Pressekonferenzen zieht sich eine Sache durch viele große Titel wie ein roter Faden. Die Gewaltdarstellung. Nicht nur dass sie in den meisten Blockbustern anscheinend übermäßig vorhanden ist, sie wird so inszeniert dass sie quasi die ganze Zeit im Mittelpunkt steht. 

Nehmen wir zum Beispiel das neue Splinter Cell. Ernsthaft was hat das noch mit Splinter Cell zu tun?! Viele Fans haben sich ja schon bei Conviction aufgeregt dass es ihnen zu sehr um die Action geht. Und was machen sie bei Black List? Sie machen aus Sam Fisher einen Rambo der von Gegner zu Gegner hechtet und mit der Ak47 Autos in die Luft jagt. Sorry, aber was soll das?! Splinter Cell war immer eine Serie die sich durch das agieren im Verborgenen auszeichnete. Eine Serie bei der man wusste dass sobald man eine Waffe in der Hand hat die keinen Schalldämpfer hat, das virtuelle Leben schnell vorbei ist eben weil Sam kein Mann fürs offene Gefecht ist. Das was Black List gestern auf der Microsoft PK zeigte war genau das Gegenteil. 

Ebenfalls bei Tomb Raider. Was habe ich mich auf dieses Spiel gefreut. Tu es auch immer noch aber meine Freude ist durchaus gedämpft worden. Lara hechtet jetzt von Deckung zu Deckung und meuchelt und mordet mit Flitzebogen, Shotgun und Messer. Ging es bei Tomb Raider nicht mal darum seine Umgebung zu erforschen? Und nicht erst dem Gegner ins Knie zu schießen um ihm dann ein Messer in den Kopf zu rammen. Wo liegt der Zweck bei einer solchen Aktion? Mir fällt auch kein Kontext ein im Tomb Raider Universum wo das passt. Das ist einfach daneben. Hoffentlich sind das Ausnahmen im Spiel und eben nicht die Regel. Aber das gezeigte hat mich schon enttäuscht.

Und das gleiche gilt für Last of Us. Ja, mir haben die brachial inszenierten Kämpfe ums überleben gefallen. Aber auch da gab es wieder Sachen die weit übers Ziel hinausschießen. Was sollte diese Szene am Ende wo Joel dann seinem Gegner kaltblütig mit der Shotgun in den Kopf schießt? Das war selbst im Kontext des Spiels daneben. Denkt mal drüber nach, die ganze Zeit ist man mit sehr wenig Munition unterwegs. Deswegen sollte man sichgenau überlegen wann man diese einsetzt weil sie eben so spärlich ist. Und was macht Joel dann? Er schießt einem Gegner der eh schon am Boden liegt und so gut wie KO ist einfach mal in den Kopf. Vollkommen unnötig. Warum nicht einfach ausknocken und Muni sparen? Und vor allen Dingen, man muss bedenken der Mann hat noch ein kleines Mädchen dabei. Die dessen kaltblütigkeit miterlebt. Was unterscheidet dann also unseren Helden von den Bösewichtern im Spiel wenn er auf diese Art und Weise agiert? Ich kann nur hoffen dass es zwischen Ellie und Joel eine moralische Komponente gibt die dafür sorgt dass der Spieler über solche Aktionen reflektiert und nachdenkt. Dass wenn Joel auf diese brutale Art und Weise vorgeht, Eliie sein Verhalten in Frage stellt und es ihre Beziehung beeinflusst. Irgendwie wirkt alles wie ein Gears of War Einheitsbrei Klon mit leichten Variationen. Und es ödet mich an.

Von Medal of Honor und Co. fang ich erst gar nicht an. 

Ja, ich finde es irgendwie traurig zu sehen wie die Spiele sich immer ähnlicher werden und die Ideenarmut nur durch optische Spielereien versteckt wird. Und dass dann auch noch von vielen amerikanischen Kollegen bejubelt wird. Zumindest habe ich das Gefühl dass dem so ist. So lege ich diese E3 noch mehr meine Hoffnungen in die kleinen unabhängigen Spiele. Und vielleicht schafft es ja tatsächlich Veteran Nintendo wieder mal zu zeigen dass gute Videospiele mehr sind als eine einzige Killorgie. 

  • 9 Kommentare zum Video
  • hktommy (Gast):
    06.06.2012 06:02

    (+1 Bewertungen)
    deswegen gibt es ja nintendo. die bauen noch spielekonsolen. betonung: SPIELE.

    und eben keine lehrmaschinen für ausnahmslos assoziales verhalten, morden und gewalt. das ganze dann noch pervertiert als unterhaltung oder gar erfahrung deklariert.

    aber wenn wunderts, die spiele müssen jedes jahr noch brutaler werden. denn um die selbst gezüchtete klientel noch abzuschöpfen müssen die hersteller immer noch tiefer graben, um die stumpfsinnigen spieler über ihre primitivsten urinstinke zu erreichen. dazu muss die gewaltdosis eben jährlich gesteigert werden um den gewöhnungseffekt auszugleichen.



    im deutschen privatfernsehen läufts genauso. wer dort jetzt bestimmt ist bereits damit aufgewachsen, entsprechend anspruchslos, und aufgrund der gewöhnung muss das programm wesentlich primitiver sein, als das der ersten generation.

    *LOOP*
  • EsSindDochNurPixel (Gast):
    06.06.2012 16:09

    (-1 Bewertungen)
    Also ganz so schlimm sehe ich es nicht!



    Gerade bei The Last of Us, welches in einem Endzeitszenario spielt und der Überlebenskampf im Vordergrund steht, macht die Gewalt diesen authentischer und greifbarer.



    Zudem beschützt man ja dieses Mädchen (evtl.seine Tochter?) und da denkt man bestimmt nicht an seine Munition, sondern eher daran den Gegner schnell und endgültig auszuschalten.



    Ähnlich sehe ich es auch bei Tomb Raider, denn dort geht es nunmal auch um den Überlebenskampf.



    Außerdem hatten bis jetzt alle Tomb Raider Teile einen ordentlichen Teil Aktion drin, nur eben mit nicht ganz so expliziter Gewalt.



    Es wird auch bestimmt genug ruhige Momente geben, welche man ja schon zu sehen bekam - wie etwa beim Jagen oder klettern.



    Oder Medal of Honor: Krieg ist in echt auch brutal, also wäre es doch total unrealistisch wenn kein bisschen Blut zu sehen wäre?!



    Bei Splinter Cell sieht es dagegen anders aus.



    Die ganze überzogene Aktion passt einfach nicht zu Splinter Cell, da es immer ums lautlose und diskrete ausschalten von Gegnern ging.



    Dennoch bin ich der Meinung, dass Spiele für Erwachsene brutal sein dürfen, wenn es die Glaubwürdigkeit der Story unterstützt, oder etwa der Atmosphäre dienlich ist.



    Ausserdem: Es sind doch nur Pixel;)
  • FelixRick:
    09.06.2012 00:04

    (+3 Bewertungen)
    Tomb Raider hatte Action aber nie so krass und überzogen wie da. Action stand da nie im Vordergrund. Und natürlich soll man bei Last Of US an seine Munition denken. Sonst würde das Spiel einem nicht so wenig davon geben.



    Es geht ja auch nicht darum dass es nur Pixel sind sondern darum dass Spiele immer austauschbarer werden. Früher gab es viel mehr Spiele mit unterschiedlichen Spielmechaniken. Wenn diese E3 eines verdeutlicht hat, dann ist es dass die Branche nur noch Einheitsbrei raushaut und das meiste austauschbar ist.
  • PrinzJohnny99 (Gast):
    10.06.2012 22:43

    Danke für den Beitrag. Das ist exakt das Gleiche, was ich beim ansehen der Microsoft-PK gedacht habe. Auch die 20 Jahre alte Ausrede "es sind doch nur Pixel" lasse ich nicht gelten, da ich die ganzen Blutorgien nur noch geschmacklos finde.

    Meine Hoffnung liegt übrigens auch bei Nintendo. Die wissen wenigstens, wie man noch Spaß ohne Blut in die Spiele packt (merke ich gerade wieder bei Zelda: Skyward Sword). Schade, daß deren PK so unglaublich schwach war.
  • knaagi:
    11.06.2012 00:05

    Ich mag diese Entwicklung auch nicht, aber man muss sowas ja nicht kaufen. Bulletstorm ging mir genau deswegen am Po vorbei. Die Leute gekommen aber das wonach sie verlangen, daher liegt das Problem eher bei den heutigen Gamern und nicht bei den bösen "Amis".
  • REJI79 (Gast):
    13.06.2012 12:38

    (-2 Bewertungen)
    was soll die gewalt kritik , wenns zu hart für euch ist dann spielt es einfach nicht ,soll mann zum beispiel in last of us seine feinde umarmen und ihnen küsschen geben?
  • Bryionak:
    13.06.2012 13:52

    (+1 Bewertungen)

    Zitat von »REJI79«
    was soll die gewalt kritik , wenns zu hart für euch ist dann spielt es einfach nicht ,soll mann zum beispiel in last of us seine feinde umarmen und ihnen küsschen geben?


    Wäre ja mal was :rolleyes:

    Aber darum geht es gar nicht, sondern darum, dass mittlerweile so ziemlich jedes Spiel nur noch brachial inszenierte Gewalt als Hauptfokus hat und das in derart gleichförmiger Art und Weise, dass es einfach langweilig wird. Selbst Spiele, die das eigentlich gar nicht nötig haben.
  • Blaufalke:
    13.06.2012 18:36

    Kompliment zu diesem Eintrag Felix, gefällt mir gut, so ähnlich war auch mein Eindruck zu den E3 Trailern.



    Diese Entwicklung zu immer noch intensiveren, gewaltverherrlichenden Blutorgien ist unverkennbar, was durch die immer realistischere Grafik (Stichwort Mimik) noch verstärkt wird. (nicht mehr "nur Pixel")

    Wenn man sich ansieht was bei vielen Spielen heute schon Standard ist, da war das alte Doom 3 dagegen ein Kindergeburtstag.



    Die Problematik, die ich hier sehe, liegt darin, dass dieser Trend auch auf Spiele übergreift, bei denen das nicht notwendig ist. Bei einem Hitman: Absolution räume ich wesentlich mehr Gewaltdarstellung ein, als beispielsweise bei Splinter Cell.



    SP: Black List ist ein Paradebeispiel für diesen Zwang zu Action und Gewalt. Sam Fisher mit Finishing Moves? Was soll das denn? Sieht natürlich enorm cool aus, aber ist es angemessen für einen Spezialagenten? Während man in früheren Teilen noch in feinfühliger Kleinarbeit an den Wachen vorbeischleichen musste (und das war der Reiz der Spiele), werden diese im aktuellen Gameplay-Video zu Splinter Cell: Black List einfach plattgeschossen.



    Tomb Raider ist ein ähnlicher Fall. Ich muss sagen, dass mir die Vorschau, mit dem Überlebenskampf, ganz gut gefällt. Allerdings erinnern manche Stellen eher an einen Horror-Schocker als an TR. Die Brutalität wird mit dem Argument des "Realismus" verkauft, aber mal ehrlich, wenn alle Spiele in Zukunft ablaufen, wie die echte Welt, dann kann ich auch CNN schauen. Während man frühere TR-Teile auch jüngeren Spieler/innen empfehlen konnte, möchte ich nicht wissen, welche FSK-Wertung dieser Teil bekommt.



    ABER, bei aller Kritik, muss man auch sagen, dass sich Action-Szenen und Gewalt einfach besser zeigen lassen, um auf der E3 Eindruck zu schinden. Wie stark der Anteil daran dann im Spiel ist, lässt sich jetzt noch kaum abschätzen.



    Besonders gespannt bin ich bezüglich dieses Themas bei Thief 4. Wer Dark Projekt eingehend gespielt hat, der weiß, dass es die Hochkunst in diesem Spiel ist, keinem einzigen Gegner anzurühren. Wenn Thief 4 einen "Action-Modus" hat, dann gebe ich es endgültig auf.
  • xRAZORx:
    29.06.2012 10:05

    (+1 Bewertungen)
    Die Spiele werden nicht nur immer mehr wie Filme, die Entwickler übernehmen sogar die Grundsätze der heutigen Filmemacher - und der lautet: Gewalt und Action bringt Leute in die Kinos. Leider ist das so. Und besonders das amerikanische Publikum scheint darauf mehr als abzufahren.



    Ich persönlich brauche in keinem Spiel Blut oder Gewalt. Wenn man es story- und gameplay-technisch klug macht kann man sogar in einem Call of Duty ohne so etwas auskommen. Aber ich konnte auch nie den "Kick" verstehen den manche verspüren wenn bei einem Headshot der rote Saft spritzt und der Kopf wegfliegt. Sind für mich nur Pixel auf nem Bildschirm und da braucht man so eine übertriebene Gewalt einfach nicht.
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